Nov 08


































geosocial networks

Menschen erfassen ihre Umgebung, wie vorher schon beschrieben, mit ihren Sinnes-organen, und zwar synchron. Sie fungieren als Multisensoren. Diese spezifische Fähigkeit des Menschen gilt es zu nutzen.

In den planenden Disziplinen wurde der Mensch schon immer als eine Art Messfühler der ihn umgebenden Umwelt angesehen. Schon Kevin Lynch mit seinen Mental Maps praktizierte [Lynch 1960/1965] diesen Ansatz, um neue, anthropozentrische Ansätze in die Planung mit einzubeziehen [vgl. hierzu auch Kap. 4.6.]. In Verbindung mit Geowebtechnologien können so die Mental Maps einer digitalen Renaissance unterzogen werden [Zeile et al. 2010]. In Kombination von GPS-Systemen und geografischer Da-tenverarbeitung kann so in stadträumlichen Umgebungen durch digitale Systeme gewissermaßen eine Art zweites ‚Erinnerungs-Bild“ extrahieren werden [Streich 2005:308]. Alleine durch die Verwendung und richtige Anwendung des „Multisensors Smartphone“ werden diese Sensoren erst zu wirklichen „intelligenten und smarten Sensoren“.


Abbildung 5: Der Mensch als „intelligenter Sensor“, unterstützt durch die Möglichkeiten der digitalen Archivierung mithilfe von geowebgestützten Smartphone Techniken.

Neben diesen stark technischen Aspekten sind auch die dem „Social Media“ Bereich zuzuordnenden Dienste wie Twitter oder Facebook eine gewisse Form der menschlichen Sensorik. Vielfach haben die dort für die Community bereitgestellten Inhalte einen Raumbezug, und geben eine subjektive Empfindung des Menschen vor Ort wieder. Zusätzlich interagieren die Social Communities mit ortsbezogenen Diensten. So hat Facebook seinen Dienst „Places“ mittlerweile frei geschaltet, der aufgrund der Ortung des Smartphones aus einer Datenbank potenzielle Aufenthaltsorte des Users vorschlägt. Diese können dann als Statusmeldung gepostet und mit einem Kommentar bespielsweise zur momentanen Befindlichkeit vor Ort versehen werden. Diese neue Form der Social Communities werden auch als “location based social networks” oder als „geosocial networks“ bezeichnet. Hauptvertreter dieser neuen Communities sind „Foursquare“ [https://foursquare.com] und Gowalla [http://gowalla.com].

Neben all diesen auf die Geolokalisierung bezogenen Methoden und Techniken können auch Nachrichtenblogs, die einen regionalen Bezug haben, als eine gewisse Form des Human Sensorings angesehen werden. Ähnlich dem vorher beschriebenen Grassroot Sensing [vgl. Kap. 2.4] berichten engagierte Blogger über Ereignisse aus ihrem näheren Umfeld und generieren so eine subjektive Momentaufnahme ihrer Umgebung. Diese Form des Journalismus wird auch „partizipativer Journalismus“ oder „Citizen Journalism“ genannt [Berger 2008]. „Ziel dieser Partizipation ist die Bereitstellung von unabhängigen, verlässlichen, genauen, ausführlichen und relevanten Informationen, die eine Demokratie benötigt“ [Berger 2008, nach Bowman Willis 2003:9].

Diese Spielarten des „Menschen als Sensoren“ ermöglichen dem Planer prinzipiell eine Vielzahl von Informationen zu sammeln, sofern er die Datenquellen kennt und er auch berechtigt ist, mit diesen Daten zu arbeiten. Kaum eine andere Messtechnik ist demnach so vom „Partizipieren“ abhängig, kann aber auch bei der richtigen Fragestellung und zu einem besonderen Projekt ein sehr differenziertes Bild der Meinung der Bevölkerung erzeugen. Die Hauptaufgabe wird in Zukunft sein, diese Daten aus den verschiedensten Quellen aufzuspüren und dadurch automatisiert ein Meinungsbild der Bevölkerung zu identifizieren. Jedoch erfordert diese Form der Bestandsaufnahme auch eine bewusste Aktivierung und Integration des Bürgers in politische Prozesse [vgl. hierzu das Stichwort „Engaging the mobile Citizens“ von Höffken Streich 2011].

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